Rainald Simon: Übersetzter & Herausgegeber des “Daodejing” / Reclam
Bildrechte: Gemeinfrei

Kapitel 8

Kapitel 8

“Ein im höchsten Maße Guter ist wie das Wasser.
Das Wasser ist fähig, allen Lebewesen zu nützen,
und doch kämpft es nicht.
Es hält sich an von den gemeinen Leuten verabscheuten Orten auf.
Deshalb ist es nahe am Dao.
Was den Lebensort angeht, so ist der Gute fähig, einen Platz
zu finden;
was den Geist angeht, so ist er fähig, in die Tiefe zu gehen;
was des Geben angeht, so ist er fähig, grundsätzliches Wohlwollen
zu zeigen;
was die Rede angeht, so ist er fähig, aufrichtig zu sein;
was das Regieren angeht, so ist er fähig, es durchzusetzen;
was das Dienen angeht, so ist er fähig, es zu vermögen;
was das Handeln angeht, so ist er fähig, den Jahreszeiten zu folgen.
Er lässt sich nun aber auf keinen Streit ein;
deshalb unterläuft ihm kein Fehler.”


KOMMENTAR:

“Self-help” auf höchstem Niveau. Laozi stellt den Vergleich zu Wasser her und empfiehlt den Charakter nach dessen Qualitäten auszurichten. Der Kommentar von Rainald Simon fasst mit dem Satz: “Höchster Nutzen für die Anderen geht einher mit vollkommener Freiheit von Aggression.”

Selbstverständlich ist auch die Vorsicht vor Ausbeutung ein wichtiges Thema. Die Zeile “was das Regieren angeht, so ist er fähig, es durchzusetzen”, spricht Eigenverantworung und nicht Unterwerfung direkt an. Interessant ist, das Handlung an die vier Jahreszeiten geknüpft wird. Also, kein mechanischer Ablauf der Arbeit, sondern angeglichen an den Lauf der Natur.

“Aussaat – Blüte – Ernte – Konservierung – Aussaat – etc.”

Der letzte Punkt ist für mich eine langwärige Herausforderung. Jedoch erkenne ich, dass man im Streit an Beobachtungsgabe und Optionen der Reaktion verliert. Der Andere “gewinnt” sozusagen Überhand. Hat einen starken Einfluss auf Emotionen -> also das persönliche Wasser. Auf diese Weise entstehen bei Konflikten Fehler. In anderen Worten, unbewusste Handlungen, für welche beide Beteiligten Verantwortung tragen.

Beitrag auf Quora